Foto Schaukel Wiese

Seelsorge und Assistierter Suizid

Hintergrund:

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 zu §217 StGB wurde das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe in Deutschland für nichtig erklärt. Das Urteil stärkt ausdrücklich die Selbstbestimmung von Menschen, die einen Suizid erwägen, und eröffnet die Möglichkeit einer Suizidbeihilfe nicht nur für schwerstkranke Menschen, sondern generell für alle Personen.
Seelsorger*innen könnten mit dem Wunsch konfrontiert sein, Menschen zu begleiten, welche die Möglichkeit eines assistierten Suizids für sich erwägen. Besonders Seelsorger*innen, die dem assistierten Suizid kritisch gegenüberstehen, dürften durch diesen Wunsch in einen Zwiespalt geraten zwischen ihrer professionellen Rolle, ihrem Verständnis von Seelsorge sowie ihrer ethischen Überzeugung.
 

Projektziel:

Das Projekt fragt im Kontext der Hannoverschen Landeskirche nach den Einstellungen und Erfahrungen von Seelsorger*innen zu ethischen und seelsorglichen Fragen in Bezug auf den assistierten Suizid. Dabei werden zum einen individuelle Einstellungen und die Haltung gegenüber Positionierungen von Institutionen untersucht. Zum anderen wird gefragt, welche Erfahrungen Seelsorger*innen bereits mit Anfragen zur Begleitung eines assistierten Suizids gemacht haben, welche Formen der Begleitung angefragt werden und welche ethischen Bewertungen hier einfließen. Mit der Begleitung des assistierten Suizids steht Seelsorge vor grundlegend neuen Herausforderungen, die neue Reflexionsprozesse zu ethischen und seelsorglichen Fragen und möglichen daraus resultierenden Spannungsverhältnissen erfordern. In deren Rahmen müssen Fragen der Authentizität und die Moderation unterschiedlicher gegebenenfalls konfligierender Haltungen von Betroffenen und Zugehörigen bearbeitet werden. Das Projekt leistet einen Beitrag, die Aufgaben, Funktion und Potentiale von Seelsorge im Rahmen eines assistierten Suizids aus ethischer wie pastoraltheologischer Perspektive zu diskutieren.
 

Projektdurchführung

  • Quantitative Teil:
    Abschnitt 1: Standardisierte Befragung der ca. 140 Seelsorger*innen der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, die in der Krankenhaus-, Alten- oder Chatseelsorge tätig sind, mit Hilfe eines Online-Fragebogens
    Abschnitt 2: Standardisierte Befragung aller Pastor*innen der Ev.-luth. Landeskirche Hannover mit Hilfe eines Online-Fragebogens
     
  • Qualitativer Teil:
    Befragung von ca. zwanzig Seelsorger*innen (Krankenhausseelsorge, Alten- und Chatseelsorge und Gemeindepfarramt) mittels leitfadengestützter Interviews

Projektzeitraum: 2020-2022
Projektleitung: Dr. Dorothee Arnold-Krüger/ Dr. Julia Inthorn

 

Ansprechpartner im ZfG

Dr. Julia Inthorn
Tel.: 0511 1241 - 494
Fax: 0511 1241 - 497

Ansprechpartner im ZfG

Dr. Dorothee Arnold-Krüger
Tel.: 0511 1241 - 670
Fax: 0511 1241 - 497